Zu spät bestellt, und Kunden stehen vor einem leeren Regal. Zu früh bestellt, und Geld liegt im Lager. Der Meldebestand sagt Ihnen, bei welcher Bestandsmenge Sie die nächste Bestellung auslösen sollten, damit sie kurz vor dem Leerlaufen eintrifft – mit einem kleinen Puffer für das Unerwartete.
Dieser Ratgeber erklärt die Formel für den Meldebestand, wie Sie Nachfrage und Lieferzeit messen, drei Wege zur Berechnung des Sicherheitsbestands und vier vollständig durchgerechnete Beispiele. Alle Rechnungen wurden geprüft; Sie können sie in einer Tabellenkalkulation nachvollziehen.
In diesem Ratgeber
- Die Formel für den Meldebestand
- Die Nachfrage richtig messen
- Die Lieferzeit messen
- Sicherheitsbestand: drei Methoden
- Rechenbeispiele
- Meldebestände in einer Tabellenkalkulation berechnen
- Sonderfälle
- Wie viel bestellen, wenn der Meldebestand erreicht ist
- Meldebestand vs. Min/Max
- Fehlbestände in der Praxis vermeiden
Die Formel für den Meldebestand
Meldebestand = durchschnittlicher Tagesbedarf × Lieferzeit in Tagen + Sicherheitsbestand
- Durchschnittlicher Tagesbedarf (d): wie viele Einheiten Sie im Schnitt pro Tag verkaufen.
- Lieferzeit (L): die Anzahl der Tage zwischen Bestellung und Verfügbarkeit der Ware im Verkauf.
- Sicherheitsbestand (SB): zusätzliche Einheiten, die eine überdurchschnittliche Nachfrage oder verspätete Lieferungen abfangen.
Der erste Teil, d × L, ist der Bestand, den Sie während des Wartens auf die Lieferung voraussichtlich verkaufen. Der Sicherheitsbestand deckt die Unsicherheit um diese Erwartung ab.
Die Nachfrage richtig messen
Nutzen Sie Ihre eigene Verkaufshistorie statt Schätzungen. Eine Kasse, die jeden Verkauf pro Artikel erfasst, macht das einfach.
- Einen repräsentativen Zeitraum wählen: die letzten 8–12 Wochen für gleichmäßig laufende Artikel; dieselbe Saison im Vorjahr für Saisonartikel.
- Einheiten statt Umsatz verwenden. Preisänderungen verzerren umsatzbasierte Schätzungen.
- Einmalige Ereignisse ausschließen, etwa eine einzelne Großbestellung eines Geschäftskunden, oder getrennt behandeln.
- Öffnungstage zählen. Haben Sie sechs Tage pro Woche geöffnet, teilen Sie die Wochenverkäufe durch sechs und rechnen Sie die Lieferzeit in Verkaufstagen.
- Auf Fehlbestände in der Historie achten: Tage ohne Bestand zeigen null Verkäufe und unterschätzen die echte Nachfrage.
Verkaufsberichte nach Artikel und Zeitraum machen das schnell – siehe Berichte & Analysen.
Die Lieferzeit messen
Die Lieferzeit ist nicht nur die Transportzeit. Sie reicht vom Moment der Bestellentscheidung bis zur Ware im Regal:
| Bestandteil | Beispiel |
|---|---|
| Zeit bis zur Bestellung | 1 Tag (Sie bestellen an Ihrem wöchentlichen Bestelltag) |
| Bearbeitung beim Lieferanten | 2 Tage |
| Transport | 3 Tage |
| Annahme, Prüfung und Einräumen | 1 Tag |
| Gesamte Lieferzeit | 7 Tage |
Notieren Sie bei jeder Lieferung das tatsächliche Bestelldatum und das Datum, an dem die Ware verfügbar war. Wer Lieferanteneinkäufe mit Datum erfasst, erhält diese Historie automatisch – siehe Einkaufsverwaltung und Lieferantendaten.
Sicherheitsbestand: drei Methoden
1. Fester Puffer (einfach)
Wählen Sie eine Anzahl an Reichweitentagen – zum Beispiel drei Tage durchschnittlicher Nachfrage. Einfach anzuwenden und zu erklären, ignoriert aber, wie schwankend die Nachfrage tatsächlich ist.
2. Statistische Methode (Nachfrage schwankt)
SB = Z × σd × √L, wobei σd die Standardabweichung des Tagesbedarfs und Z der Faktor für den Servicegrad ist.
Der Servicegrad ist hier die Wahrscheinlichkeit, während eines Nachschubzyklus nicht leerzulaufen. Übliche Z-Werte aus der Standardnormalverteilung:
| Servicegrad pro Zyklus | Z-Wert |
|---|---|
| 90 % | 1,28 |
| 95 % | 1,645 |
| 97,5 % | 1,96 |
| 99 % | 2,33 |
Verwenden Sie durchgehend dieselbe Zeiteinheit. Wird σ pro Tag gemessen, muss auch die Lieferzeit in Tagen angegeben sein; eine wöchentliche oder monatliche Standardabweichung mit einer Lieferzeit in Tagen zu mischen, ist ein häufiger Fehler, der den Sicherheitsbestand drastisch aufbläht.
3. Statistische Methode (Nachfrage und Lieferzeit schwanken)
SB = Z × √( L × σd² + d² × σL² ), wobei σL die Standardabweichung der Lieferzeit in Tagen ist.
Nutzen Sie diese Variante bei unzuverlässigen Lieferanten: Der Term d² × σL² dominiert oft – deshalb schaden verspätete Lieferungen mehr als Nachfrageschwankungen.
Alternative: die Max-Durchschnitt-Methode
Ohne genug Daten für Statistik nutzen manche Händler SB = (maximaler Tagesbedarf × maximale Lieferzeit) − (durchschnittlicher Tagesbedarf × durchschnittliche Lieferzeit). Das ist einfach, aber vorsichtig und überschätzt den Bestand tendenziell.
Rechenbeispiele
Beispiel 1 – Fester Puffer
Ein Café verkauft im Schnitt 12 Beutel Kaffeebohnen pro Tag. Die Rösterei liefert in 5 Tagen. Die Inhaberin hält 20 Beutel als Sicherheitsbestand.
Meldebestand = 12 × 5 + 20 = 60 + 20 = 80 Beutel. Fällt der Bestand auf 80, wird bestellt.
Beispiel 2 – Statistischer Sicherheitsbestand
Ein Lebensmittelgeschäft verkauft im Schnitt 15 Einheiten/Tag eines Speiseöls, mit einer Standardabweichung von 4 Einheiten/Tag. Die Lieferzeit beträgt 9 Tage. Ziel-Servicegrad: 95 % (Z = 1,645).
- Sicherheitsbestand = 1,645 × 4 × √9 = 1,645 × 4 × 3 = 19,74 → aufgerundet 20 Einheiten.
- Bedarf während der Lieferzeit = 15 × 9 = 135 Einheiten.
- Meldebestand = 135 + 20 = 155 Einheiten.
Beispiel 3 – Nachfrage und Lieferzeit schwanken
Ein Eisenwarenhändler verkauft 20 Einheiten/Tag einer Schraubenpackung (σd = 5). Die Lieferzeit des Lieferanten beträgt im Schnitt 7 Tage, schwankt aber (σL = 2 Tage). Ziel: 95 % (Z = 1,645).
- Kombinierte Abweichung = √(7 × 5² + 20² × 2²) = √(175 + 1.600) = √1.775 ≈ 42,13.
- Sicherheitsbestand = 1,645 × 42,13 ≈ 69,3 → 70 Einheiten.
- Meldebestand = 20 × 7 + 70 = 140 + 70 = 210 Einheiten.
Beachten Sie, dass die Schwankung der Lieferzeit (1.600) weit mehr beiträgt als die Schwankung der Nachfrage (175). Zuverlässigere Lieferanten würden diesen Puffer stärker senken als eine bessere Prognose.
Beispiel 4 – Max-Durchschnitt-Methode
Maximaler Tagesbedarf 30, maximale Lieferzeit 10 Tage; durchschnittlicher Bedarf 20, durchschnittliche Lieferzeit 7 Tage. Sicherheitsbestand = 30 × 10 − 20 × 7 = 300 − 140 = 160 Einheiten – deutlich mehr als in Beispiel 3, was zeigt, warum diese Methode vorsichtig ist.
Meldebestände in einer Tabellenkalkulation berechnen
Für den Anfang brauchen Sie keine spezielle Software. Exportieren Sie die täglichen Verkaufsmengen je Artikel und legen Sie eine Zeile pro SKU an:
| Spalte | Inhalt | Beispielformel (Excel / Google Tabellen, deutsch) |
|---|---|---|
| A | Tägliche Verkaufshistorie (eine Spalte pro Tag) | — |
| Ø Bedarf (d) | Durchschnittliche Einheiten pro Verkaufstag | =MITTELWERT(B2:BI2) |
| σd | Standardabweichung des Tagesbedarfs | =STABW.S(B2:BI2) |
| Lieferzeit (L) | Tage von der Bestellung bis ins Regal | manuell eingeben |
| Z | Faktor für den Servicegrad | =NORM.S.INV(0,95) → 1,645 |
| Sicherheitsbestand | Z × σd × √L, aufgerundet | =AUFRUNDEN(Z*σd*WURZEL(L);0) |
| Meldebestand | d × L + Sicherheitsbestand | =AUFRUNDEN(d*L;0)+SB |
NORM.S.INV liefert den Z-Wert für jeden Servicegrad, sodass Sie testen können, was ein Wechsel von 95 % auf 97,5 % für den Bestand bedeutet – in Beispiel 2 stiege der Sicherheitsbestand von etwa 20 auf etwa 24 Einheiten (1,96 × 4 × 3 = 23,5).
Sonderfälle
- Saisonartikel: Berechnen Sie die Nachfrage aus derselben Saison im Vorjahr, nicht aus den letzten Wochen.
- Neue Artikel: Beginnen Sie mit einer vorsichtigen Schätzung auf Basis ähnlicher Artikel und prüfen Sie nach vier bis sechs Wochen Verkauf.
- Aktionen: Schlagen Sie den erwarteten Aktionseffekt nur für den Aktionszeitraum auf die Nachfrage auf.
- Verderbliche Ware: Der Sicherheitsbestand wird durch die Haltbarkeit begrenzt; ein niedrigerer Servicegrad ist oft der richtige Kompromiss.
- Langsamdreher (wenige Einheiten im Monat): Statistische Formeln sind unzuverlässig; nutzen Sie ein einfaches Minimum wie ein oder zwei Einheiten auf Lager.
- Feste wöchentliche Bestelltage: Wenn Sie nur einmal pro Woche bestellen können, addieren Sie den Überprüfungszeitraum zur Lieferzeit (periodische Überprüfung), sonst laufen Sie zwischen den Bestelltagen leer.
Wie viel bestellen, wenn der Meldebestand erreicht ist
Der Meldebestand sagt Ihnen, wann; wie viel müssen Sie noch entscheiden. Übliche Ansätze im Handel:
- Feste Menge: immer dieselbe Menge bestellen (zum Beispiel einen vollen Karton oder das Mindestbestellvolumen des Lieferanten).
- Auffüllen bis Höchstbestand: so viel bestellen, dass der Bestand wieder ein Ziel-Maximum erreicht, etwa zwei Wochen Bedarf plus Sicherheitsbestand.
- Reichweitentage: eine Anzahl Tage erwarteten Bedarfs bestellen, angepasst an kommende Aktionen oder Saisons.
Wägen Sie drei Kosten ab: die Kosten einer Bestellung, die Kosten der Lagerhaltung und die Kosten eines Fehlbestands. Kartongrößen und Mindestbestellwerte entscheiden meist über die endgültige Zahl.
Meldebestand vs. Min/Max
Viele Kassen- und Lagerwerkzeuge arbeiten mit einem Mindest- und Höchstbestand pro Artikel. Beides passt zusammen: Das Minimum ist faktisch Ihr Meldebestand, das Maximum Ihr Auffüllniveau. Fällt der Bestand auf das Minimum, bestellen Sie genug, um das Maximum zu erreichen. Erst wenn Sie das Minimum mit der Methode aus diesem Ratgeber festlegen – statt mit einer runden Zahl, die einmal gewählt und nie überprüft wurde –, wird aus einer Min/Max-Einstellung eine echte Nachschubstrategie.
Überprüfen Sie beide Werte, wenn sich Nachfrage, Lieferzeit oder Kartongrößen ändern, und nach jeder Hochsaison.
Fehlbestände in der Praxis vermeiden
- Zuerst Meldebestände für Ihre A-Artikel festlegen – siehe ABC-Analyse.
- Die Liste knapper Bestände jeden Tag zur selben Zeit prüfen.
- Nachfrage und Lieferzeit jedes Quartal und vor der Hochsaison neu berechnen.
- Bestandsdaten mit regelmäßiger permanenter Inventur genau halten – ein Meldebestand nützt nichts, wenn die Bestandszahl falsch ist.
- Lieferungen am Tag des Eintreffens erfassen, damit der Systembestand aktuell ist.
- Mit wichtigen Lieferanten Notfalloptionen vereinbaren.
Für das Gesamtbild lesen Sie den Ratgeber zur Lagerverwaltung im Einzelhandel. Der Blick auf knappe Bestände ist Teil der Bestandsverwaltung in der Kasse.
Verfolgen Sie Tagesverkäufe und knappe Bestände für jeden Artikel: Die kostenlose Edition enthält Bestandsführung und Verkaufshistorie.
Häufige Fragen
Wie lautet die Formel für den Meldebestand?
Meldebestand = durchschnittlicher Tagesbedarf × Lieferzeit in Tagen + Sicherheitsbestand. Fällt der Bestand auf diesen Wert, wird neu bestellt.
Wie berechne ich den Sicherheitsbestand?
Eine verbreitete statistische Formel ist Z × Standardabweichung des Tagesbedarfs × Wurzel aus der Lieferzeit. Schwankt auch die Lieferzeit, verwenden Sie Z × √(L × σd² + d² × σL²).
Welchen Z-Wert sollte ich verwenden?
Z hängt vom angestrebten Servicegrad pro Zyklus ab: etwa 1,28 für 90 %, 1,645 für 95 %, 1,96 für 97,5 % und 2,33 für 99 %.
Ist der Meldebestand dasselbe wie die Bestellmenge?
Nein. Der Meldebestand ist die Bestandsmenge, die eine Bestellung auslöst; die Bestellmenge ist, wie viel Sie bestellen – oft nach Kartongrößen, Mindestmengen oder einem Auffüllniveau.
Wie oft sollte ich Meldebestände neu berechnen?
Prüfen Sie sie mindestens vierteljährlich und vor saisonalen Spitzen oder immer dann, wenn sich Nachfrage oder Lieferzeiten deutlich ändern.
