Mehrplatz-Kasse einrichten: Praxisleitfaden für das lokale Netzwerk

Multi-Terminal POS Setup: A Practical Local Network Guide

Eine zweite oder dritte Kasse ist eines der besten Mittel gegen lange Schlangen – solange jede Kasse aus derselben Artikelliste und demselben Bestand verkauft. Bei einer lokalen Kasse (offline zuerst) gelingt das, indem eine gemeinsame Datenbank auf einem Hauptrechner läuft und die anderen Kassen über das Netzwerk des Geschäfts damit verbunden werden.

Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Mehrplatz-Kasse im lokalen Netzwerk funktioniert, wie Sie Hauptrechner und Netzwerk planen, weitere Kassen einrichten und das Ganze mit Sicherungen und einem Notfallplan absichern.

So funktioniert eine Mehrplatz-Kasse

In einer lokalen Mehrplatz-Einrichtung ist ein Rechner der Hauptrechner (Host). Er speichert die gemeinsame Datenbank: Artikel, Preise, Bestand, Verkäufe und Benutzer. Jede andere Kasse ist ein Client, der diese Datenbank über das lokale Netzwerk (LAN) liest und beschreibt. Verkauft Kasse 2 die letzte Flasche Olivenöl, sieht Kasse 1 sofort den Bestand null.

Lokales Netzwerk einer Mehrplatz-KasseEin Hauptrechner mit der gemeinsamen Datenbank ist über einen Switch mit zwei kabelgebundenen Kassen und einem WLAN-Access-Point für Tablets verbunden, dazu eine USV und ein separates Sicherungsziel.Hauptrechnergemeinsame DatenbankSwitchkabelgebundenes RückgratKasse 1EthernetKasse 2EthernetWLAN-Access-PointTablets · mobile GeräteSicherungszielUSB-Laufwerk / NAS / CloudUSVHauptrechner + Switch + RouterDie Kassen lesen und schreiben die Datenbank des Hauptrechners über das LAN – ohne Internet
Eigene Grafik: ein Hauptrechner, mehrere Kassen, eine gemeinsame Datenbank.

Da der Datenverkehr im Geschäft bleibt, braucht dieses Konzept für den normalen Verkauf kein Internet. Dafür sind Hauptrechner und Netzwerk die beiden Dinge, die Sie richtig hinbekommen müssen.

Den Hauptrechner auswählen und vorbereiten

Der Hauptrechner sollte das zuverlässigste Gerät im Geschäft sein, nicht das älteste im Büro.

  • Speicher: eine SSD mit viel freiem Platz für die Datenbank und lokale Sicherungen.
  • Netzwerk: kabelgebundenes Ethernet zum Switch oder Router – für den Hauptrechner nie WLAN.
  • Strom: an einer USV, mit deaktiviertem Ruhezustand während der Öffnungszeiten.
  • Updates: Betriebssystem-Updates außerhalb der Öffnungszeiten planen, damit der Hauptrechner nie mitten im Verkauf neu startet.
  • Firewall: der Kassenanwendung erlauben, Verbindungen aus dem lokalen Netzwerk anzunehmen.
  • Feste Adresse: die IP-Adresse des Hauptrechners im Router reservieren, damit die Clients ihn immer finden.

Der Hauptrechner kann selbst auch als Kasse dienen. In vollen Geschäften stellen ihn viele Inhaber an die Hauptkasse, wo das Personal sofort merkt, wenn er ausfällt.

Das lokale Netzwerk planen

Eine Mehrplatz-Kasse ist nur so zuverlässig wie das Netzwerk zwischen den Kassen und dem Hauptrechner.

KomponenteEmpfehlungWarum
Hauptrechner und feste KassenKabelgebundenes EthernetStabile Latenz, keine Störungen
SwitchGigabit-Switch, unmanaged oder managedGenug Anschlüsse für Kassen und Drucker
Tablets / mobile GeräteEigener WLAN-Access-Point für das PersonalMobilität, ohne die Kassen zu beeinträchtigen
Gäste-WLANGetrenntes Netzwerk (oder VLAN)Kunden vom Kassenverkehr fernhalten
Router, Switch, HauptrechnerGemeinsame USVEin kurzer Stromausfall soll das Netzwerk nicht trennen
IP-AdressenFür Hauptrechner und Drucker reserviertVerhindert „Server nicht gefunden“-Fehler

Die Netztrennung ist auch gute Sicherheitspraxis: Der PCI Security Standards Council und Sicherheitsleitfäden für kleine Unternehmen empfehlen durchweg, Zahlungs- und Kassengeräte von Gäste- und Privatgeräten fernzuhalten.

WLAN für Tablets und mobile Geräte nutzen

WLAN ist ideal für Geräte, die sich bewegen – ein Tablet als mobile Zusatzkasse oder die Smartphones der Servicekräfte im Restaurant. Ein paar Regeln halten es zuverlässig:

  • Einen professionellen Access Point zentral platzieren, nicht den im Schrank versteckten Router nutzen.
  • Vor der Öffnung mit einem Gerät durch den Laden gehen und die Signalstärke in jeder Ecke prüfen.
  • Ein eigenes Personalnetz mit starkem Passwort nutzen, getrennt vom Gäste-WLAN.
  • Mindestens eine feste Kasse per Ethernet anbinden, damit ein WLAN-Problem nie den gesamten Verkauf stoppt.

Für die Gastronomie sehen Sie, wie mobile Bestellannahme und Küchenmonitor in dasselbe lokale Netzwerk eingebunden werden.

Weitere Kassen einrichten, Schritt für Schritt

  1. Den Hauptrechner installieren und einrichten mit Ihren Artikeln, Benutzern und Einstellungen. Prüfen Sie, dass er allein korrekt verkauft.
  2. Die IP-Adresse des Hauptrechners im Router reservieren und notieren.
  3. Jede Kasse mit demselben Netzwerk verbinden, möglichst per Kabel.
  4. Die Kassensoftware auf jeder Kasse installieren und die Option zur Verbindung mit einem vorhandenen Host oder Server wählen.
  5. Jede Kasse auf den Hauptrechner verweisen und mit einem Kassiererkonto anmelden.
  6. Lokale Hardware pro Kasse einrichten: eigener Scanner, Bondrucker und eigene Kassenschublade.
  7. Gegenprobe machen: einen Artikel an Kasse 2 verkaufen und dann die Bestandsänderung an Kasse 1 und am Hauptrechner prüfen.
  8. Einen Neustart des Hauptrechners testen außerhalb der Öffnungszeiten und prüfen, dass sich die Kassen wieder verbinden.

Die genauen Menüs unterscheiden sich je nach Kassenprodukt. Bei BelloPOS ist der Mehrplatzbetrieb im lokalen Netzwerk Teil der Pro-Edition; wie er aufgebaut ist, sehen Sie auf der Seite Mehrplatzbetrieb.

Der Alltag mit mehreren Kassen

  • Ein Login pro Person. Das Personal meldet sich an der jeweils genutzten Kasse an, sodass jeder Verkauf richtig zugeordnet wird.
  • Bargeld pro Schublade. Jede Schublade bei Ladenschluss einzeln zählen und mit den an dieser Kasse erfassten Verkäufen vergleichen.
  • Gemeinsamer Bestand, gemeinsame Kunden. Kaufhistorie und Kreditsaldo eines Kunden sind an jeder Kasse gleich.
  • Zentrale Berichte. Berichte lesen aus der Datenbank des Hauptrechners und umfassen daher jede Kasse.

Eine gemeinsame Datenbank schnell halten

Kleine Geschäfte stoßen selten an Leistungsgrenzen, doch ein paar Gewohnheiten halten jede Kasse auch zur Stoßzeit reaktionsschnell:

  • Den kritischen Pfad verkabeln. Hauptrechner, Switch und feste Kassen per Ethernet beseitigen die meisten Latenzspitzen.
  • Den Hauptrechner wenig belasten. Während der Öffnungszeiten keine großen Sicherungen, Virenscans oder Downloads darauf laufen lassen.
  • Das Sortiment aufgeräumt halten. Ausgelaufene Artikel archivieren und Dubletten entfernen hält die Suche schnell.
  • Den Speicherplatz im Blick behalten. Eine fast volle Festplatte bremst die Datenbank und kann Sicherungen stoppen.

Das Netzwerk im Geschäft absichern

  • Standardpasswörter an Router, Switch und Access Points ändern.
  • Das Kassennetz vom Gäste-WLAN trennen, idealerweise in einem eigenen Netzwerk oder VLAN.
  • An jeder Kasse individuelle Personal-Logins nutzen und Bildschirme sperren, wenn niemand dort ist.
  • Betriebssystem und Kassensoftware aktuell halten und Updates außerhalb der Öffnungszeiten einspielen.
  • Ungenutzte Fernwartungswerkzeuge deaktivieren; wo Fernsupport nötig ist, ihn nur auf Anfrage freigeben.

Wann sich eine weitere Kasse lohnt

Eine einfache Rechnung hilft. Dauert ein durchschnittlicher Verkauf etwa 60 Sekunden und bringt Ihre stärkste Stunde 90 Kunden, kann eine Kasse höchstens 60 davon ohne Schlange bedienen. Eine zweite Kasse bewältigt die Spitze mit Reserve. Achten Sie in der Praxis auf zwei Signale: Kunden, die die Schlange verlassen, und Personal, das auf die Kasse wartet, während anderswo Arbeit liegt. Passiert eines davon regelmäßig, lohnt sich meist eine weitere Kasse – oder ein Tablet als mobile Zusatzkasse zu Stoßzeiten.

Welche Hardware jede neue Kasse braucht, steht in der Checkliste zur Kassenhardware.

Sicherungen für eine gemeinsame Datenbank

Alle Kassen hängen an einer Datenbank, ihre Sicherung ist daher Pflicht. Wenden Sie die 3-2-1-Regel an – drei Kopien, auf zwei Speicherarten, eine außer Haus – und automatisieren Sie sie:

  • Jeden Tag nach Ladenschluss eine automatische Sicherung planen.
  • Sicherungen auf ein zweites Gerät kopieren (externe Festplatte oder NAS).
  • Mindestens eine Kopie außer Haus oder in einem Cloud-Ordner aufbewahren, der nicht dauerhaft eingebunden ist.
  • Sicherungen mehrerer Tage aufbewahren, nicht nur die neueste.
  • Jedes Quartal auf einem Ersatzrechner eine Wiederherstellung testen.

Notfallplan bei Ausfällen

Schreiben Sie auf, was zu tun ist, bevor Sie es brauchen. Hier ein einfacher Plan für die häufigsten Ausfälle:

AusfallAuswirkungReaktion
InternetausfallLokaler Verkauf läuft weiter; Kartenterminals können betroffen seinWeiter verkaufen; Offline-Regeln des Kartenanbieters befolgen; bei Bedarf Hotspot nutzen
WLAN-Access-Point fällt ausTablets und mobile Geräte trennen sichVerkäufe auf kabelgebundene Kassen verlagern; Access Point neu starten oder ersetzen
Switch fällt ausKassen erreichen den Hauptrechner nichtAm Hauptrechner verkaufen; einen Ersatz-Switch vor Ort haben
Kurzer StromausfallKeine, wenn die USV Hauptrechner und Netzwerk abdecktAkkuzustand der USV zweimal im Jahr prüfen
Hauptrechner fällt ausAlle Kassen verlieren die gemeinsame DatenbankLetzte Sicherung auf einen Ersatzrechner zurückspielen, Host-IP neu zuweisen, Kassen neu verbinden

Üben Sie das Szenario „Hauptrechner fällt aus“ einmal. Zu wissen, dass Sie die Daten von gestern in unter einer Stunde auf einen Ersatz-Laptop zurückspielen können, macht aus einer Krise eine Unannehmlichkeit. Mehr zu den Vor- und Nachteilen lokaler Systeme lesen Sie unter Offline- oder Cloud-Kasse.

Planen Sie eine zweite Kasse? Installieren Sie zuerst die kostenlose Edition auf Ihrem Hauptrechner und erkunden Sie sie mit Demodaten.

Häufige Fragen

Was ist eine Mehrplatz-Kasse?

Eine Einrichtung, bei der mehrere Kassen eine Datenbank teilen, sodass Artikel, Preise, Bestand und Verkäufe an jeder Kasse gleich sind.

Braucht eine Mehrplatz-Kasse Internet?

Bei einer lokalen Einrichtung nicht. Die Kassen verbinden sich über das lokale Netzwerk des Geschäfts mit dem Hauptrechner. Internet wird nur für Aufgaben wie Updates oder Kartenterminals benötigt.

Können Kassen WLAN nutzen?

Ja, aber feste Kassen und der Hauptrechner sind mit kabelgebundenem Ethernet zuverlässiger. Nutzen Sie WLAN vor allem für Tablets und mobile Geräte.

Was passiert, wenn der Hauptrechner ausfällt?

Die Kassen verlieren den Zugriff auf die gemeinsame Datenbank, bis der Hauptrechner wiederhergestellt ist. Eine tägliche automatische Sicherung und ein getestetes Wiederherstellungsverfahren halten die Ausfallzeit kurz.

Wie viele Kassen können sich einen Hauptrechner teilen?

Das hängt von der Kassensoftware und dem Hauptrechner ab. Prüfen Sie die Angaben des Anbieters und testen Sie vor dem Start mit der erwarteten Spitzenlast.

Quellen und weiterführende Literatur